Arbeits- und Meditationswochen März 2013
Neun mal zwei helfende Hände haben in den vergangenen drei Wochen kräftig zugepackt. Die Hände gehören zu: Jochen, Köbi, Sarah, Svenja, Norbert, Örsh, Jürgen, Sigrid und Jörn.
Es gibt immer Arbeiten in diesen „Freilichtmuseum Bordo“, die wir unter dem Jahr nicht erledigt bekommen: Bäume fällen (damit das Dorf nicht zuwächst) und das Holz ins Dorf tragen, mitunter steil den Hang hinauf; ein neues Bad wird gebaut und zuerst muss der Anschluss an das Abwassersystem „ergraben“ werden; palettenweise Baumaterial kommt mit der Materialseilbahn ins Dorf (Ziegel, Kalk, Zement, …) und wird dort von Hand verschoben; mit dem Tauwetter rasselt fast regelmäßig eine Natursteinmauer zusammen und muss wieder aufgebaut werden; Verputzen, kleine und größere Flickarbeiten an Holzbalkonen, Zimmerwänden, Holzkisten … und Holz im Allgemeinen: die Baumstämme spalten, aufstapeln, umlagern. Aber auch Glühbirnen wechseln, gründlich putzen und Wertstoffe sinnvoll entsorgen gehörte zu den Aufgaben. Tonnen wurden verschoben über Steintreppen hinweg (alte Gusseisenradiatoren – ja, wirklich, die waren in Bordo einmal verwendet worden) von freigebigen Menschen, die gekommen waren, um einen Beitrag zu leisten, diesen besonderen Ort zu erhalten.
Abends und morgens und zwischendurch übten wir gemeinsam das „Konzentriert- und Präsentsein“ anhand von stiller Meditation mit dem Atem als Stütze. In den Bodhi Path Zentren machen wir dies jetzt auch als geleitete Meditation, welche ein gutes Fundament für einen stabilen Geist geben kann: Qualität vor Quantität lautet die Devise für die Länge der Meditationssitzungen. Auch gelegentliche Austauschrunden über grundlegende buddhistische Themen und spirituelle Filme an den Wochenenden sind bereichernde Eindrücke für alle von uns.
Die Generalversammlung der Genossenschaft am 16. März brachte eine neue Verwaltungsgruppe hervor, Menschen, die mit Elan die anstehenden Aufgaben angehen. Schwung gab es aber auch beim Feiern und Tanzen, eine willkommene Abwechslung im „Bergdorf ohne Strasse“. Immer wieder gibt es interessante Gesprächsthemen untern den Menschen, die aus verschiedensten Ländern kommen und nicht selten sprechen wir mittags drei Sprachen: Deutsch, Italienisch und Englisch.
Eine neue Katze, die dreiviertel-verhungert zu uns fand, hat einen Namen bekommen: Lucy. Sie ist dankbar, an einem Platz zu sein, wo es regelmäßig Futter gibt und streichelnde Hände. Möge dieser Platz noch lang in die Zukunft hinein vielen Wesen gut tun! Herzlichen Dank an all jene, die in der einen oder anderen Weise einen Beitrag dazu leisten!
Edith und Felice
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Herbstarbeiten 2012
Ein milder Herbst war es diesmal und so konnten wir einige Arbeiten durchführen, für die unter dem Jahr nicht die Zeit ist. Der Steindachdecker und Maurer Marcello, eine der gefragtesten Personen im Tal, reparierte undichte Stellen in den Steindächern der zentralen Häuser. Genau berichtete er uns über den Zustand jedes Daches. Es weckt Vertrauen, wenn man hört, wie differenziert er die Situation wahrnimmt, beschreibt und repariert. Kübelweise zerbröselte Steine kommen da vom Dach; vom Lager werden gute Steinplatten angeschleppt und eingefügt, manchmal ist es auch ein Blechstück, das die Reparatur am besten macht. Marcello hat uns auch gesagt, dass die Dächer der fünf zentralen Häuser (vom Piazzahaus über Küche bis zum Meditationsraum) am besten ganz erneuert gehören. Dann hat man für mehrere Generationen Ruhe. Er schätzt es sehr, dass wir noch Steindächer haben und diese Art der Dachdeckung wo immer es geht beibehalten wollen.
Im Frühjahr mussten wir beim sogenannten „Holzlagerhaus“ unterhalb der Bibliothek eine Absperrung anbringen, da das Steindach des Hauses einsturzgefährdet war. Im November konnten wir das Dach abdecken und mit einer guten provisorischen Planenabdeckung versehen. So ist die Einsturzgefahr weg. Irgendwann wird dann dieses Haus hoffentlich wiederhergestellt werden. Marcello sagt dass, wenn das Gewicht des Steindaches weg ist (Tonnen über Tonnen), man die Mauern beobachten muss, die können sich dann zu bewegen anfangen. Die Steinplatten des Daches wurden schön sortiert gelagert, damit man sie wiederverwenden kann, wenn es soweit ist. Rechtzeitig vor dem einsetzenden Regen war das Dach dann abgedeckt, was wir vor allem der Hilfe und dem Einsatz von Robert zu verdanken haben! Hier ein paar Bilder von den Arbeiten.
     
Das Minettihaus und auch das Kinsgihaus haben ihre Vordächer erneuert bekommen, steht ihnen gut!
Zur Gartenfläche oberhalb des Dorfes entstand ein breiter Zugang, die nach ihrem Erbauer „Andreasstiege“ benannt wurde. Bequem kann jetzt der nicht mehr ganz junge Felice die Komposteimer dort hochtragen und den Gemüseabfall kompostieren. Um diese Gartenfläche wieder zu aktivieren, haben wir im Süden letzten Winter ein paar Bäume gefällt, die Schatten geworfen hatten. Gabriele hat dann noch zwei kleinere Steinmauern wieder aufgebaut und so nimmt die Kultivierung dieser Flächen schon wieder Formen an.
William, unser junger neuer Bewohner, hat im Westen des Dorfes auch drei Beete wieder freigelegt und es ist schön zu spüren, mit wie viel Freude er selbst Pflanzen ziehen will. Jetzt im Spätherbst steht bei ihm täglich Italienischlernen an. Felice hat seine Qualitäten als Lehrer ausgegraben und gibt ihm häufig Unterricht. William scheint es ernst zu meinen mit einem „neuen Leben“ hier am Berghang und wir freuen uns sehr, dass wir ihn trotz der enormen Hürden und Auflagen des italienischen Staates ab Januar fix anstellen werden und zwar mit einem unbefristeten Vertrag, etwas, was in Italien eine Seltenheit ist in dieser Zeit.
Einen guten Winter wünschen wir euch allen, Edith, Felice und William
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Die Katze Romi – ihr Altern und Sterben
 Es ging ihr nicht gut letztes Jahr. Die hastete von Futternapf zu Futternapf. Ihr Hunger schien unersättlich, ihr Durst auch. Die Wurmmittel änderten dieses Verhalten nicht. Ihr von Gier nach immer mehr Nahrung getriebener Geist spiegelte in manchen Momenten unsere eigene Gier nach Nahrung oder anderem wider.
In diesem Frühjahr stellte der Tierarzt die Diagnose: Diabetes. Das alte, zaushaarige, kranke Tier, sollte man es nicht besser „vom Leiden erlösen und töten“? Dies fragten die Augen des Tierarztes. Meine Antwort war klar: Nein, das Tier darf sein Alter mit medizinischer Behandlung fortsetzen bis zu seinem natürlichen Ende. Ich hielt Romi liebe- und würdevoll im Arm.
Wenn man jahrelang das Dorf mit den Katzen teilt, dann versteht man ihre Gesten und Fragen sehr gut. Nie hatte Romi mitgeteilt, dass sie nicht mehr leben wollte. Und so bekam sie ab dem Frühling zweimal täglich Insulin gespritzt. Sie nahm es hin, gab es danach doch immer Futter. Ihr Heißhunger nach Futter mäßigte sich, das war schön zu sehen. Ihr Geist war etwas ruhiger.
Sie hatte natürlich ihre Altersmacken und forderte unsere Geduld so manches Mal heraus. Doch war sie auch nur ein Lebenwesen, das „nicht mehr alles so konnte wie früher“. Ihr Hör- und Sehsinn ließen deutlich nach. Das Riechen funktionierte noch gut. Sie fiel schon mal hin. Sie schlief mehr als früher. Ihre Stellung als Chefin des Katzenrudels hielt sie bis zum Schluss inne und wies noch so manchen durchlaufenden Hund in die Schranken.
Sie liebte das Sein mit den Gästen und die Gäste streichelten sie gerne, besonders die Kinder. Und es waren auch Kinder da, als sie eines Abends nicht fressen und trinken wollte; es ging ihr nicht gut.
Bald war uns klar, Romi ist am Sterben. Zweimal schaffte sie es noch bis runter zum Stupaplatz und wieder hoch, wie, das wissen wir nicht. Sie lag dann mal hier, mal dort, versteckte sich und kam wieder hervor. Sie hatte Schmerzen und manchmal rissen wilde Zuckungen ihren Körper hoch. Viele von uns sahen nach ihr in diesen Stunden. Die Kinder, sie wollten sich eine Katze zulegen, waren sehr berührt und ihr Suchen nach Halt und Verstehen im Verhalten der Erwachsenen war stark zu spüren.
Ins Tal fahren, Schmerzmittel besorgen oder gar die sterbende Katze zum Tierarzt bringen, oder sie mit einem „Schlag erlösen“: All das kam von verschiedenen Seiten auf. Romi hingegen, sie bat um nichts von alldem. Sie war ins Sterben gegangen, wohl wissend, dass es da nichts zu verschönern gab, dass es nur eine Richtung gab und sie wollte ihre Ruhe dabei haben.
Es war kein leichtes Sterben, auch nicht leicht mit anzusehen. Die restliche Lebensenergie zog sich dann von den Extremitäten in die Körpermitte zurück. Sie atmete noch. Schwer. Wir lasen den Text „König der Wunschgebete“ für sie, gingen dann in die Morgenmeditation. Danach war sie tot.
Mit vielen Wunschgebeten und Om mani peme hung – Mantras begleitet fand ihr Körper an der Stupamauer seinen Platz: Vierzehn Jahre hatte die zugelaufene Katze im buddhistischen Zentrum gelebt. Ein würdevoller Abschied, ein eindrucksvolles Erlebnis für die Kinder, eine Unterweisung über Vergänglichkeit für uns - ein wahres Abschiedsgeschenk. |
Bordo Ende September 2012
Der Herbst ist da. Es gibt keinen Zweifel. Wieder ein Sommer ist vergangen, auf Nimmerwiedersehen. Viele Leute haben uns im Sommer besucht und ein „Stück Bordo mit uns gelebt“. Viel Harmonie und tiefgründige Freude haben wir zusammen erfahren. Jede und jeder auf seine Art haben wir an uns selbst gearbeitet und versucht, das Anderssein des/der Anderen zu schätzen: Zum Zusammenleben braucht es dies hier im kleinen Dorf. Lama Sherab hat unseren Alltag im August mit buddhistischer Weisheit beträufelt und wir unseren „Keim des Erleuchtungsgeistes“ mit Mediationspraxis, Reflektion und Bücherlesen gewässert.
William ist jetzt Bewohner von Bordo, hat in Viganella seine „Residenza“ angemeldet. Stolz zeigt er seine italienische Carta d’Identità. Einundzwanzig Jahre ist er jung und es gefällt ihm sehr in Bordo. Wenn er etwas falsch macht und ich leicht pfauche, sagt er: „I am only twenty-one and I am learning!“ und ich pack meine Tigerkrallen wieder weg. Wir freuen uns über den Zuwachs im Bordoteam und auf den gemeinsamen Winter. Felice und ich haben unsere beiden kleinen Operationen gut überstanden und üben uns im Uns-Schonen. Gar nicht so leicht.
Viele wunderschöne spontane Konzerte gab es dieses Jahr in der Kirche im Ort. Erst kürzlich hob uns Michiel mit seinem rauschenden Gitarrenspiel in höhere Sphären und füllte den historischen Kirchraum mit alten Klängen aus dessen eigener Bauzeit.
Die Siebenschläfer sind dieses Jahr sehr aktiv und haben einen guten Teil unserer Weintrauben vernascht. Putzig bis frech rascheln sie durchs Weinlaub, sind gar nicht scheu und lassen sich beim Schmaus fotografieren. Bis auf die alte Birnensorte am Stupahaus haben die meisten Obstbäume und –sträucher dieses Jahr eher „ausgelassen“. Glücklicherweise haben wir aber noch genug Vorräte an Marmeladen und Fruchtsäften im Keller. Die alte Katze Romi lebt mit den beiden Insulinspritzen pro Tag relativ gut mit ihrer Zuckerkrankheit und man hört sie abends auf dem Balkon des Piazzahauses: Sie schnarcht leise vor sich hin. Mit ihren gut sechzehn Lebensjahren ist sie noch immer unangefochtene Chefin des Rudels aus sieben Katzen. Kürzlich hat sie einem jungen, entlaufenen Boxerhund das Fürchten gelehrt.
Freigebige, helfende Hände aus Amerika, vier mal zwei Stück, haben im Juli viel Holz ins Dorf gebracht und so sind wir gut gerüstet für die Übergangszeit und die Wintermonate. Es war ein großes Geschenk dieser jungen Leute, ihr Interesse für das „Wichtige im Leben“ zu spüren, ihre Suche nach „Wahrheit“, ihren Durst nach „Wissen“ mitzuerleben.
Vor den lichtarmen Wintertagen wünschen wir uns und euch noch goldene Herbstsonnentage! Edith, für das Team |
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